Von Sophia Bätge (G10c)
Am frühen Morgen machte sich unsere Gruppe gemeinsam mit Lehrkräften auf den langen Weg nach Taizé in Burgund, Frankreich. Die Vorfreude war groß, aber auch ein bisschen Spannung war zu spüren: Was würde uns an diesem besonderen Ort erwarten?
Taizé ist schließlich kein klassisches Reiseziel, sondern ein kleines Dorf, das durch die ökumenische Gemeinschaft von Brüdern weltweit bekannt geworden ist. Jedes Jahr kommen hier tausende Jugendliche aus allen Teilen der Welt zusammen – und wir waren nun ein Teil davon.
Schon in den ersten Stunden merkten wir, dass die Zeit in Taizé einen ganz eigenen Rhythmus hat. Die Tage sind nicht vollgestopft mit Terminen, sondern tragen eine klare, aber ruhige Struktur. Mehrmals am Tag kamen alle in der großen Kirche zusammen, um miteinander zu singen und zu beten. Diese Gebete unterschieden sich stark von dem, was wir von zuhause kannten. Keine langen Predigten, keine lauten Instrumente – stattdessen einfache Lieder, die sich wiederholen, gesungen in vielen verschiedenen Sprachen, getragen von hunderten Stimmen, die gemeinsam einen ganz besonderen Klang ergeben. Schon nach kurzer Zeit konnten wir selbst mitsingen und erlebten, wie wohltuend diese Ruhe sein kann.
Zwischen den Gebeten gab es viel Raum für Begegnung. Jeden Tag trafen wir uns in internationalen Kleingruppen, in denen Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammenkamen. Die Gespräche waren manchmal ernst, wenn es um Glauben, Hoffnung oder Frieden ging, manchmal aber auch ganz leicht, wenn wir über Schule, Musik oder Hobbys redeten. Oft spielte die Sprache dabei kaum eine Rolle – man verstand sich auch mit ein paar “Brocken” Englisch, Gesten und viel Lachen. Gerade das machte den Austausch so besonders.
Zum Leben in Taizé gehört auch, dass alle mit anpacken. Jeder übernimmt eine kleine Aufgabe: Beim Abwasch, an der Essensausgabe, beim Saubermachen oder in der Organisation. Anfangs ungewohnt, wurde es schnell zu etwas Selbstverständlichem. Und oft ergaben sich gerade bei diesen Arbeiten die schönsten Begegnungen: Wenn man zusammen Tabletts stapelte, Brote austeilte oder die Kirche vorbereitete. Plötzlich lachte man gemeinsam mit Jugendlichen aus Belgien, Frankreich oder Ungarn, die man vorher nie getroffen hatte – und merkte, dass Gemeinschaft ganz einfach entstehen kann, wenn alle etwas beitragen.
Natürlich blieb auch freie Zeit. Manche nutzten sie für Spaziergänge in den grünen Hügeln Burgunds, andere zum Volleyballspielen oder einfach, um auf der Wiese zu sitzen und neue Bekanntschaften zu vertiefen. Besonders eindrucksvoll waren die Abende: Nach dem
letzten Gebet blieb es oft lange still in der Kirche, während draußen das Leben pulsierte. Auf den Wiesen wurde gesungen, Gitarren erklangen, und überall saßen kleine Gruppen zusammen, redeten oder lachten. Für viele war genau das ein unvergesslicher Teil von Taizé – diese Mischung aus Stille und Lebendigkeit.
Die Woche verging erstaunlich schnell und hinterließ viele Eindrücke. Anders als auf einer klassischen Klassenfahrt standen keine Ausflüge oder Sightseeing-Touren im Mittelpunkt, sondern Begegnung, Einfachheit und das Erleben von Gemeinschaft. Manche nahmen neue Freundschaften mit, andere ein Gefühl von innerer Ruhe, wieder andere einfach die Erinnerung an eine besondere Atmosphäre, die schwer in Worte zu fassen ist.
Der Abschied fiel uns allen nicht leicht. Nach einer Woche hatte man sich an den besonderen Rhythmus gewöhnt, an das gemeinsame Singen, die Gespräche in den Gruppen und das unkomplizierte Miteinander mit Jugendlichen aus vielen Ländern. Umso schwerer war es, die neuen Freundschaften zurückzulassen. Gleichzeitig nahmen wir viele Eindrücke mit: Manche eine neue Ruhe, andere ein Lied, das im Kopf blieb, oder einfach schöne Erinnerungen an intensive Gespräche auf der Wiese. Auch, wenn die Zeit in Taizé nur kurz war, hat sie bei vielen von uns Spuren hinterlassen – und vielleicht ist das der Grund, warum so manche schon jetzt sagen: „Da möchte ich noch einmal hin.”









